Seniorenreise Berg 2024
«Also diese wunderbare Reise hätte wirklich besseres Wetter verdient», fanden wir, als wir uns am 11. Juni bei der Kirche trafen. In warme Jacken gehüllt und mit Regenschirmen in der Handtasche liessen wir uns nicht abschrecken und nahmen frohgemut in Toni Bünters Car Platz. Erst gings über Neunforn Richtung Schaffhausen, weil die Strasse dem Untersee entlang wegen des Hochwassers gesperrt war. Erstes Ziel war der Kaffeehalt beim Rheinfall. Imposant rauschte das Wasser tosend in die Tiefe und liess Gischt an die 20 Meter hoch aufstieben. Wir hatten gut eine Stunde, um uns umzusehen. Bummeln, ein bisschen Shopping, viel fotografieren und vor allem staunen über das grandiose Naturschauspiel.
Mit dem Flachboot fuhren wir anschliessend nahe an den Rheinfall über das wild flutende Wasser, zuerst zum Zürcher Ufer, dann hinüber zur Schaffhauser Seite, nahe zum mittleren Felsen und wieder Richtung Zürcher Seite. Wir wurden von Gischt übersprüht. Es war ein besonderes Erlebnis. Daraufhin fuhren wir gemütlich die 7 km den Rhein hinunter zum Kloster Rheinau. Thomas, der Skipper, lieferte uns viele Infos. Normalerweise fliessen 550000 Liter/Sek. den Rheinfall hinunter. Jetzt aber mit Hochwasser sind es 965000 Liter. Das Wasser schimmerte undurchsichtig grün. Normalerweise sei es ganz klar und man sehe die 5 Meter bis auf den Grund. Vor allem indische Touristen seien davon so fasziniert, dass sie manchmal den grössten Teil der Flussfahrt mit den Kameras den Flussboden filmen. Auf dem Wasser schwamm reichlich Schaum. Das sei ein Naturprodukt, Saponine, die durch das wirbelnde Wasser aufgeschäumt werden. Auf der linken Rheinseite sind - immer in Sichtweite von einem zum andern - Bunker aus dem 2. Weltkrieg zu sehen. Als es noch keine Wasserkraftwerke gab, hat man bis zum Rheinfall Lachs gefischt. Seit das Kraftwerk Rheinau vor 70 Jahren gebaut wurde, ist der Rhein 2 Meter angestiegen. Thomas machte auf charmante Art Werbung für «seine» Rheinschifffahrt, indem er uns auf die schönen Wanderwege vom Rheinfall zum Kloster Rheinau hinwies und die Möglichkeit, den einen oder anderen Weg oder gar beide mit dem Schiff zurückzulegen. Bei Sonnenschein könnte man sogar eventuell eine ausgesetzte Schildkröte sehen, die sich auf einem am Boden liegenden Baumstamm sonnt. Si non e vero e ben trovato. (Wenn es nicht wahr ist, ist es gut erfunden)
Im Restaurant Augarten in Rheinau wurde uns ein schmackhaftes Essen serviert. Kaum hatten die Personen, die Fisch bestellt hatten ihre Teller vor sich, sank der Lärmpegel dramatisch. Als auch die Fleischliebhaber ihr Essen bekamen, wurde es angenehm still. Das Restaurant wurde extra für uns trotz Wirtesonntag geöffnet. Ein herzliches Dankeschön an Frau Schmid und ihre Mitarbeiterinnen.
Mesmerin Beatrice Zur Eich erwartete uns auf dem grossen Platz vor der Klosterkirche. Zwei Mammutbäume, die ihrem Namen alle Ehre machen, spenden an heissen Tagen Schatten, der aber heute nicht benötigt wurde. Beatrice erläuterte, dass «Die Hohen Drei» (die Heilige Dreifaltigkeit stehe natürlich noch darüber, ganz klar!) für das Kloster zuständig sei: Die Immobilienverwaltung, der Kanton Zürich und die Denkmalpflege. Humorvoll und sehr kompetent führte Beatrice uns durch ihre Kirche. Sie zeigte uns Geheimnisse, die sie beim Putzen entdeckt hatte, wie ein halbes Gesicht in der Marmorierung einer Säule, eine Blume und einen Totenkopf in einer anderen. Sie liess uns teilhaben an ihrem Staunen über die Kunstfertigkeit der Erbauer und Künstler, die an und in dieser wundervollen Kirche gewirkt haben. 3 Ossarien mit Gebeinen von Katakombenheiligen kamen nach Rheinau. Klosterfrauen setzten die Gebeine zusammen (wie ein 3D-Puzzle, meinte Beatrice) und bekleideten sie mit kunstvoll bestickten und mit zum Teil echten Steinen besetzten Kleidern. Der Heilige Deodat wurde in sitzender Haltung in einem Seitenaltar beigesetzt. Das ist einer von nur dreien in der Schweiz, die sitzen. Alle anderen wurden im Sarg liegend aufgebahrt. Die Gebeine sind echt. Das haben Doktorinnen der Wissenschaft bestätigt, die aufgrund der Zahnanalyse bestimmen konnten, dass die drei Katakombenheiligen tatsächlich aus Rom stammen. Die Madonna, ähnlich wie die in Einsiedeln, hat eine Garderobe von 20 Kleidern. Anders als in Einsiedeln kann man ihr das Jesuskind vom Arm nehmen und so besser einkleiden. Die kleine Orgel im Chor ist in einem kunstvollen Holzsarkophag verborgen. Beatrice zeigte uns, wo und wie sie zum staubsaugen hinuntersteigen muss, um sie zu reinigen. In der Sakristei war ein besonderes Highlight zu bestaunen: Eine Casel und eine Dalmatik, die aus dem Hochzeitskleid von Königin Marie-Antoinette hergestellt wurden. Die junge Prinzessin, die nach Frankreich verheiratet wurde, machte auf ihrer Reise zu ihrem noch unbekannten Gemahl im Kloster Zwischenhalt. Noch sehr viel mehr bekamen wir zu sehen und zu hören und wir spürten, mit wieviel Hingabe, Liebe und Begeisterung Beatrice ihre Aufgaben erfüllt. Das ist eine Mesmerin mit Berufung.
Anschliessend durften wir zur Ruhe kommen und feierten mit Dominik Bucher eine Andacht zum Text des Gleichnisses vom Sämann, mit Liedern, Gebeten und Musik von Paul Wirth. So konnten wir auch unsere eigenen Anliegen im Stillen vor Gott bringen.
Es wurde Zeit zur Weiterfahrt. Sie führte uns zur Fluglandepiste in Oberglatt. Fasziniert schauten wir zu, wie die Riesenvögel scheinbar langsam nahten, nicht weit von uns herunterkamen und landeten. Kaum war einer gelandet, sah man schon die nächsten zwei heranfliegen.
Wieder im Car wurde es still. Ich denke, die einen überdachten das Gesehene und Gehörte, die andern dösten vermutlich. Aber geschnarcht hat nachweislich niemand. Munter wurden alle wieder, als wir nach Mannenbach kamen, wo wir im Seehotel Schiff zum Abendessen erwartet wurden. Nicole Gemperle und ihr Mann führen dieses Hotel mit Liebe und Erfolg. Wir genossen eine hervorragende Rieslingsuppe und einen wunderbarer Zobigteller in fröhlicher Gemeinschaft und stilvollem Ambiente. Wisi erfreute uns dabei mit 2 musikalischen Einlagen.
Die letzte Wegstrecke zurück nach Berg dauerte nicht mehr lange. Zufrieden und mit grosser Dankbarkeit für diesen so schönen Tag, der uns Regen und Hitze ersparte, nahmen wir voneinander Abschied. Es war ein freudenreicher, harmonischer Tag in froher Gemeinschaft.
Wisi Brülisauer und Nicole Gemperle haben wieder einen Ausflug für uns perfekt geplant und vorbereitet und mit Dominik Bucher und Toni Bünter durchgeführt. Ihnen allen danken wir von Herzen. Auch der Kirchgemeinde, die ein eventuelles Defizit übernimmt, danken wir ebenso herzlich.
Monika Cadosch

60+ Tagesreise

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